Echos auf Initiativen und Vorschläge machen Lob und Motivation hinfällig

14.4.2020
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Als generell positiv denkender Mensch betrachte ich trotz allem stets beide Seiten einer Medaille. So empfinde ich Loben einerseits motivierend und andererseits weitaus trügerischer als es scheint. Denn von wem werden wir in der Regel gelobt? Traditionell und aus unserer Erziehung heraus loben die Eltern die Kinder, Lehrer die Schüler, Vorgesetzte die Mitarbeiter. Es geht also um ein Top-Down, um ein hierarchisches Verhältnis. Ebenfalls geht dem Lob immer eine Bewertung voraus und meistens handelt es sich dabei um die Bewertung einer Leistung oder eines Verhaltens und nicht der Person selber.

Immer wieder konnte ich Kollegen beobachten die genau das taten, was Vorgesetzte erwarteten. Es wurde gemauschelt und getrickst, damit ja irgendwie Umsatz- und Planzahlen erreicht wurden bzw. deutlicher ausgedrückt, sie so in der Statistik dargestellt werden konnten als ob. Wie die Zahlen tatsächlich zustande kamen interessierte zu dem Zeitpunkt niemanden, als die vermeintlich erfolgreichen Mitarbeiter auf´s Podest gehoben wurden. Während die scheinbar Tüchtigen als die Guten dastanden, fühlten sich die restlichen Kollegen faul und beschämt.

Sind es wirklich die wenigen Augenblicke des Lobes, die die Leistung von Mitarbeitern steigert? Und wenn es das tatsächlich sein sollte, ist es nicht verführerisch und macht süchtig? Letztendlich geht es diesen Mitarbeitern nur um das Lob und nicht um das Handeln.  Also nicht um das Handeln im Sinne des Kunden, des langfristigen Erfolgs des Unternehmens, sondern um die Frage, ob es dem Chef gefällt.

So gesehen hat Lob und Motivation einen Tauschcharakter. Es wird gelobt gegen Leistung. Wenn wir uns jedoch von Lob abhängig machen, leben wir ständig in der Angst, sie nicht zu bekommen. Burn-Out lässt grüßen.

Viele Mitarbeiter und Vorgesetzte haben jahrelang so funktioniert. Es erinnert mich an ein Eltern-Kind-Verhältnis. Daraus entstanden sind unselbständige, unverantwortliche, angepasste Mitarbeiter. Wohl kaum sind das Mitarbeiter, die Unternehmen in die Zukunft führen.

Lob verhindert in meinen Augen großartige, nachhaltige Leistung. Es sei denn, es ist echt! Unterliegt das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter keiner Rangordnung sondern basiert auf Augenhöhe, und kann ein Mitarbeiter auch den Vorgesetzten loben ohne despektierlicher Wirkung, wäre das Loben eine Form positiver Zuwendung. Etwas, was wir alle so sehr bedürfen.

Was wirklich verbindet und anspornt ist das gemeinsame Freuen über Erfolge. So entsteht auch das Gefühl von Anerkennung. Leider fällt das vielen Vorgesetzten schwer, da sie den Erfolg von Mitarbeitern als Bedrohung ihrer Autorität erleben.

Weil wir Menschen uns danach sehnen, gesehen und wahrgenommen zu werden ist das noch immer einer der wichtigsten Hebel zur Leistungssteigerung. Viel zu leise ist oftmals ein Echo auf Initiativen und Vorschläge, weil sich das Ergebnis nicht kurzfristig in Zahlen darstellen lässt. Dabei sind es genau diese regelmäßigen Inputs, durch die sich Unternehmen von innen heraus langfristig weiterentwickeln, die verbinden und Freude erzeugen, da Mitarbeiter einen Teil zum Erfolg beitragen konnten.

Grundsätzliche, leistungsunabhängige, beständige Freundlichkeit und Aufmerksamkeit, verbal und nonverbal: das ist das Geheimnis für Freude und Anerkennung. Wenn wir Freude empfinden, braucht es keine Motivation mehr!

Ich wünsche Dir einen freudigen Start in die Woche

Michaela Schmelzer

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